Förderkonzept
Das Förderkonzept der WMS Leipziger Platz 1
Die
Förderung unserer SchülerInnen auf verschiedensten Ebenen hat am Schulstandort
Leipziger Platz einerseits eine lange Tradition, ist aber durch die Umstellung
auf die WMS einem kontinuierlichen Veränderungsprozess unterworfen.
Neue
Strukturen, zusätzliche Ressourcen, zeitgemäße Unterrichts- und Beurteilungsformen
erfordern und ermöglichen innovative Arten der Förderung, ohne aber Bewährtes und
erwiesenermaßen Erfolgreiches aufgeben zu müssen.
1. Nahtstelle
An der Nahtstelle zwischen
Volksschule und WMS besucht unsere Nahtstellenpädagogin die Kinder der
4.VS-Klassen im Bezirk, lernt diese kennen, spricht mit den LehrerInnen der
zukünftigen WMS-SchülerInnen und erstellt grobe Leistungs- und
Verhaltensprofile, die in die Klassenzuteilung einfließen.
Die LehrerInnen der ersten
Klassen bekommen auf diese Weise schon früh einen Eindruck von der
Leistungsfähigkeit, der sozialen Reife und dem Förderbedarf ihrer SchülerInnen.
Ein erfahrener Volksschullehrer begleitet die Kinder
beim Ankommen in der WMS. Er ist in allen vier ersten Klassen in mehreren
Gegenständen als Teamlehrer eingesetzt und hilft, stützt und fördert mit seinem
speziellen Know-How, wo es notwendig ist. Zusätzlich betreut er unsere Schulbibliothek
und ist verlässlicher Partner in der Leseerziehung und Fachmann für Kinder- und
Jugendliteratur.
2. SchülerInnen mit nichtdeutscher Muttersprache
An unserem Schulstandort
ist bedingt durch das Einzugsgebiet der Anteil an Kindern mit
Migrationshintergrund sehr hoch. Wir versuchen, die Kinder mit nichtdeutscher
Muttersprache bei ihrem aktuellen Sprachniveau abzuholen und bis zum Abgang von
unserer Schule zu einem möglichst hohen Level zu führen. Schwerpunkte liegen dabei
bei der Förderung der kommunikativen und der kulturellen Kompetenzen.Sprachliche
Seiteneinsteiger besuchen 11 Stunden pro Woche einen Deutschkurs, der parallel
zum Unterricht in der Klasse läuft. In den anderen Stunden werden sie nach
Möglichkeit in den verschiedenen Gegenständen individuell gefördert.
Ein Lehrer für
muttersprachlichen Zusatzunterricht arbeitet integrativ mit den Kindern der
ersten Klassen, ein zweiter mit einer vierten Klasse, die außerordentliche
SchülerInnen speziell auf eine Lehre oder den Besuch einer weiterführenden
Schule vorbereitet.
Wir nützen die gesetzlichen Möglichkeiten, dass wir
außerordentliche SchülerInnen bis zu zwei Jahre nicht beurteilen müssen und in
dieser Zeit ohne Notendruck beim Erwerb der sprachlichen und kulturellen
Kompetenzen individuell optimal fördern können.
3. Lerncoaching
Alle WMS - Klassen haben
eine zusätzliche Wochenstunde Lerncoaching. Im Mittelpunkt der
Lerncoaching-Stunde stehen die SchülerInnen, ihre individuellen Lernbedürfnisse
und Begabungen und die bestmögliche Entfaltung ihrer persönlichen
Leistungspotenziale. Lerncoaching soll die Schüler/innen bei der Entwicklung
von Selbstkompetenz unterstützen und begleiten - dazu gehören der Aufbau von
Selbstorganisation, Selbststeuerung, Selbstverantwortung, individuelle
Lernstrategien, Lern- und Arbeitstechniken und die Schulung von
Reflexionsfähigkeit.
Aus der Entdeckung und Erfahrung der eigenen
Interessen und individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten sollen die
SchülerInnen lernen, wie sie den schulischen Alltag bewältigen und langfristig
an der Entscheidung für die weitere Bildungs- und Berufswahl mitwirken können.
4. Individualisierung
In
der WMS arbeiten wir verstärkt an der Individualisierung des Unterrichts. Durch
den vermehrten Einsatz alternativer Unterrichts-methoden und Beurteilungsformen
können wir genauer auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler
eingehen, wobei die Förderung der Stärken immer deutlich im Vordergrund stehen
sollte. Schularbeiten und andere
Leistungsfeststellungen werden vorwiegend leistungsdifferenziert angeboten und
durch alternative Beurteilungsformen wie Portfolio ergänzt oder ersetzt.
Beim offenen Lernen an
Stationen können unsere SchülerInnen zwischen mehreren Schwierigkeitsstufen
wählen.
Projekttage, Projektwochen und Tage mit
projektorientiertem Unterricht bieten unseren SchülerInnen immer wieder die
Möglichkeit, ihre individuellen Stärken zu entdecken und zu fördern.
5. Lesekompetenz
Eine leseintensive
Projektwoche am Beginn des Schuljahres symbolisiert den Startschuss für die
verstärkte Förderung der Lesekompetenz unserer SchülerInnen. Lesetheater im
Augarten und Leseabenteuer am Naschmarkt sind dabei nur zwei der zahlreichen
und methodisch vielfältigen Schwerpunkte.
SchülerInnen, die beim
Wiener Lesetest in der vierten Volksschulklasse schwach abgeschnitten haben,
erhalten neun Wochen intensives Lesetraining.
Lesen üben wir in allen
Gegenständen und so oft wie möglich. Die intensive Nutzung unserer
Schulbibliothek und der gemeinsame Besuch von Städtischen Büchereien sollen die
Lesemotivation fördern.
Besonderes Augenmerk legen
wir auf das sinnerfassende Lesen von alters- und entwicklungsadäquaten Sachtexten
und Prosa und die Erweiterung des aktiven und passiven Wortschatzes.
Am Nachmittag bieten wir in zwei Kursen „Lesen“ als
unverbindliche Übung an. Das Angebot wird sehr gut angenommen.
6. Fremdsprachen - E4U
Bereits in der ersten
Klasse versuchen wir mit einem bilingualen Projekt, unsere SchülerInnen an die
zweite Arbeitssprache Englisch heranzuführen.
Auch in den anderen
Schulstufen gibt es wiederholt zweisprachige Unterrichtssequenzen. Der verstärkte Einsatz von Englisch als Arbeitssprache (EAA) an
der Wiener Mittelschule bedeutet, dass die erste lebende Fremdsprache als
Unterrichtssprache in nichtsprachlichen Fächern eingesetzt wird. Die
Fremdsprache dient dabei als Instrument zur Erarbeitung fachspezifischer
Inhalte. Die SchülerInnen erhalten die Möglichkeit, unterschiedliche fachliche
Situationen auch fremdsprachlich zu bewältigen – die Ausgangsqualifikationen
der SchülerInnen sollen durch den Erwerb fachspezifischer Englischkenntnisse
verbessert werden.Unterstützt werden die
Jahrgangsteams bei ihren Bemühungen von unserem Native Speaker aus Kanada.
Ab der dritten Klasse
können unsere SchülerInnen bei entsprechendem Interesse und Begabung eine
dritte Fremdsprache (Französisch) lernen.
Ein mehrtägiger Sprachaufenthalt soll in der 4. Klasse die Motivation für das
vertiefende Erlernen der Fremdsprache fördern.
7. Kurssystem
In Deutsch, Mathematik und Englisch gliedern wir den Unterricht in einen Kernkurs und in verpflichtende Leistungskurse.
Etwa zwei Drittel der Jahresstunden unterrichten wir die SchülerInnen im
Kernkurs. Die Doppelbesetzung mit zwei LehrerInnen pro Klasse erlaubt
Teamteaching oder die vorübergehende Teilung der Klasse.
Ein Drittel der Jahresstunden sind Trainingskurse oder
Erweiterungskurse.
Erweiterungskurse gehen über den Unterrichtsstoff des Kernkurses hinaus und
erlauben so eine besondere Begabungsförderung. Trainingskurse sollen einen
Lehrplanwechsel oder eine negative Beurteilung verhindern, indem Kernbereiche
des Lehrplans trainiert, wiederholt und gefestigt werden. Trainingskurse werden
im Falle von drohendem Lehrplanwechsel durch individuelle Fördermaßnahmen und Förderpläne
für einzelne SchülerInnen unterstützt.
8. Lernzeit
Als Offene Schule bieten
wir unseren SchülerInnen jeden Tag 50 Minuten Lernzeit an. Die Kinder können
hier unter Aufsicht eines Lehrers/einer Lehrerin ihre Hausübungen machen und
für Tests, Schularbeiten und Prüfungen lernen.
Die Kinder sind angehalten, sich gegenseitig bei
Problemen Hilfestellung zu leisten. Davon profitieren nicht nur die schwächeren
SchülerInnen, sondern auch die Begabteren, die beim Helfen den Lernstoff
wiederholen und festigen. Auch die LehrerInnen stehen den Kindern in der
Lernzeit nach Möglichkeit natürlich mit Rat und Tat zur Seite.
9. Informatik
Als Schwerpunktschule für
Informatik bieten wir unseren SchülerInnen ab der ersten Klasse zwei Stunden
Informatik pro Woche. In diesen Stunden lernen sie den PC als intelligentes und
vielseitiges Werkzeug für die Textgestaltung, für Tabellenkalkulationen,
Datenbanken und Präsentationen kennen.
In fächerübergreifenden Sequenzen erfahren sie mittels E-Learning das Internet als immensen Wissensspeicher, erweitern ihre Kompetenzen für den selbstständigen Bildungserwerb und erwerben die Grundlagen für lebenslanges Lernen mit Hilfe der moedernen Medien. Der kritische Umgang mit den Gefahren des Internets fördert das Problembewusstsein unserer Schüler im IT-Bereich.
10. Berufsorientierung
In der 3. und 4. Klasse
werden unsere Schüler im Rahmen der unverbindliche Übung „Berufsorientierung
und Bildungsinformation“ in fächerintegrativem Unterricht auf die Anforderungen
im Lehrberuf und in weiterführenden Schulen vorbereitet.
Der Unterricht in Berufsorientierung fördert die Ichstärke
(Selbstkompetenz) und in der Auseinandersetzung mit der Berufswelt die Sach- und
Methodenkompetenz. Die Förderung der Sozialkompetenz gewinnt in der Berufswelt
immer mehr an Bedeutung.
11. Buddy-Projekt
Ausgewählte SchülerInnen der 3.Klassen betreuen und helfen in den Pausen SchülerInnen der ersten Klassen. Kinder und Jugendliche brauchen andere Menschen, die ihnen Werte vorleben, die ihnen Zuwendung geben und denen sie Vertrauen schenken können auf ihrem Weg zu selbstbewussten Erwachsenen. Solche Menschen sollten sie in der Familie und unter den Lehrern finden, aber auch unter Jugendlichen, die ihrem eigenen Lebensalter und Erfahrungsraum näher sind. Das Buddy-Projekt hat das Ziel, ein Unterstützungssystem zu errichten, von dem die jungen Schüler/innen ebenso profitieren wie die älteren, die als Betreuer lernen, Verantwortung zu übernehmen und Sozialkompetenz zu erwerben.
12. SchülerInnenmitgestaltung
Die Mitgestaltung des
Schullebens durch die SchülerInnen ist uns ein wichtiges Anliegen. Jedes Jahr
wählen unsere Schülerinnen in einem aufwändigen Wahlverfahren nach
demokratischen Regeln ihre Vertreter, einerseits die
KlassensprecherInnen, und aus deren Kreis die SchulsprecherInnen. Die
Klassensprecher treffen einander in regelmäßigen Abständen zu Beratungen über
Verbesserungen im Bereich der Schule.
Die Schulsprecher können
die Vorschläge der Lehrerkonferenz zur Beratung vorlegen.
Auch auf Bezirksebene bieten wir in Zusammenarbeit mit
Backbone und der Bezirksvorstehung unseren SchülerInnen die Möglichkeit,
jugendbezogene Projekte durchzuführen und Ideen der Bezirksvorstehung zu
präsentieren. Dadurch fördern wir die sozialen und gesellschaftspolitischen
Kompetenzen unserer SchülerInnen.
13. Sport
Wir
bieten unseren SchülerInnen in Form von Neigungsgruppen Fußball und Schwimmen
an, um auch ihre Kompetenzen im Bereich Sport und Bewegung zu fördern. In unserem Freizeitbereich in der
„Kleinen Schule“ können die Kinder auch Gymnastik trainieren, sowie
Tischtennis, Tischfuß-ball und Billard spielen.
Wien, im November 2011
zusammengestellt von Dipl.Päd. Hobl Gerhard Eigner